Kaufunktionsstörungen, Zahnärztliche abnehmbare Prothetik
Dr. med. dent. Edgar Witt
Der Begriff Kaufunktionsstörungen (Myoarthropathien) steht für Beschwerden im Kieferbereich, die durch Störungen des Bewegungsapparates unseres Kausystems (Kaumuskulatur, Kiefergelenke, Kauflächenkomplex) hervorgerufen werden. Diesen Störungen können Überlastungsschäden durch Pressen, Reiben oder Knirschen der Zähne, rheumatische Erkrankungen oder Verletzungen zugrunde liegen.
Die Therapie von Kaufunktionsstörungen umfasst die Differentialdiagnose (Abgrenzung von Kiefer-Gesichtsschmerzen von anderen Ursachen), die Behandlung der Beschwerden und wenn möglich auch die Behandlung der Ursachen der Probleme. Dadurch kann nicht nur dem Auftreten weiterer Schäden im Bewegungsapparat, sondern auch übermässiger Abnützung von Zahnsubstanz und Überlastung des Zahnhalteapparates vorgebeugt werden.
Die Aufgabe der zahnärztlichen Prothetik ist die Wiederherstellung verloren gegangener natürlicher Zähne und damit beeinträchtigter Kauleistung, Funktion und Ästhetik durch künstliche Alternativen. Sind die unechten Zähne herausnehmbar, spricht man von Zahnprothesen. Sind nicht nur einzelne, sondern alle durch ein vollständig neues Gebiss ersetzt worden, nennt man dieses Totalprothese.
Je nach Vorhandensein oder Verlust von Restgewebe im Mund, Beschaffenheit der Schleimhaut sowie Quantität und Qualität des Speichels und schliesslich Ansprüchen des Patienten, kann ein abnehmbarer prothetischer Zahnersatz rein gingival getragen oder aber auf eigenen Zähnen, Zahnwurzeln und/oder auf Implantaten abgestützt werden. Die Prothesen sollen eine zahnlose Mundhöhle, aber auch die Erscheinung des Gesichtes so vollständig wie möglich restituieren. Zudem müssen – bei jeder Art von Zahnersatz – die Kiefergelenke sinnvoll gestützt werden, so dass keine Beeinträchtigungen der Kiefergelenksfunktionen hervorgerufen werden.
Nach modernsten Gesichtspunkten der Technik kann heute sogar abnehmbarer, perioprothetischer Zahnersatz hergestellt werden, der keine zusätzlichen parodontalen Reize verursacht. Einmal vom Patienten im Mund eingesetzt, sieht er wie eine feste Brücke aus, ohne dass Schleimhautpartien oder zum Beispiel der Gaumen überdeckt werden müssen.